Interview mit dem Designer Stephan Kuhn

Stephan Kuhn hat für Stöckli zum Heidi-Jahr 2016 den Heidi-Caquelons gestaltet. In diesem Interview lernen Sie ihn und seine Arbeit näher kennen.

F.: Wie haben Sie Ihr Talent für das Zeichnen entdeckt? Gibt es ein "Schlüsselerlebnis"?

A.: Was mich interessierte oder mir gefiel, zeichnete ich. Schon immer. So veränderten sich die gezeichneten Themen dem Alter entsprechend: Indianer, und Cowboys, Donald Duck, Comic Helden, Vögel, Motorräder, Mädchen ... Die Anerkennung der Mitschüler und die Bestnote im Zeichnen kann nicht als Schlüsselerlebnis bezeichnet werden. Vielleicht aber das Lob und die Tipps eines Künstlers aus dem Dorf ...

F.: Zeichnen Sie ausschließlich Comics- oder Filmfiguren? Bevorzugen Sie noch andere Zeichnungs- oder Malstile?

A.: Als Illustrator habe ich ein breites Spektrum an Stilen auf Lager, die ich je nach Anforderung und Inspiration einsetze. Ich beschränke mich nicht auf einen Stil, sondern biete alles - von grafischen Logos, über fotonaturalistische Sujets, über Karikaturen bis zu einmalig kreierten Stilen. Früher auf Papier, später am Computer, heute alles gemischt.

 Harmonisches Käsefondue

F.: Schildern Sie uns bitte kurz die einzelnen Schritte von der ersten Idee bis zum Finish einer Figur.

A.: Üblicherweise recherchiere ich möglichst breit zum gewünschten Thema. So bietet meine eigene Bibliothek einen Fundus an Ideen, aber auch das Internet beflügelt und ich beginne zu skizzieren. So entsteht eine Sammlung von verschiedenen Ansätzen, die jetzt sortiert werden wollen. Sind die ungeeigneten aussortiert, kristallisieren sich meine Favoriten heraus, die nach einer Ausarbeitung der Formen erstmals dem Kunden präsentiert werden.

Das formale Thema "Heidi, als Band um ein Caquelon" war ja gegeben. Mit Bleistift habe ich begonnen, die Protagonisten zu kreieren. Schnell merkte ich aber, dass sich komplette Figuren für das schlanke Format nicht eignen. So reduzierte ich alle Figuren auf Brustbilder und weitete die Szenerie auf ein einziges Panorama aus. Berglandschaft, Wiesenmatten, Ziegen, Alphütte, eins nach dem andern ergab sich.

F.: Wie lange dauert es, bis ein Werk vollendet ist?

Am Beispiel dieses Heidi Sujets lag die reine Arbeitszeit, inklusive allen Versionen und Tests, bei ca. 30 Stunden, über 2 Monate verteilt.

F.: Was bedeutet es Ihnen, für die Firma A. & J. Stöckli AG das Dekor für das Heidi Caquelon realisiert zu haben?

A.: Dieses Sujet illustrierte ich auf Bestellung einer Werbeagentur, mit der ich gemeinsame Projekte realisiere. Es macht mich stolz, als Schweizer für die Schweizer Firma Stöckli das Caquelon Design umgesetzt zu haben. Und es freut mich ebenfalls sehr, dass mit Stöckli das Caquelon nicht nur im eigenen Land großen Anklang finden, sondern hoffentlich von Netstal aus in die ganze Welt versendet wird.

 Harmonisches Käsefondue

F.: Haben Sie einen persönlichen Bezug zur Geschichte von Heidi?

A.: Früher, als Eltern und Großeltern aus ihrem Leben erzählten und ihre Geschichten mit alten Fotos untermalten, tauchten in meinem Kopf Bilder, ähnlich denen der Heidifilme, auf. Als Kind sah ich beide Verfilmungen von 1952 und 1978. Ich erinnere mich noch gut daran. Genauso wie an die japanische Anime Animation von 1974. Diese hat mir allerdings nicht gefallen. Jetzt scheint mir die Zeit für eine Neuauflage.

F.: Werden Sie sich den neuen Heidi-Film, der gegen Ende des Jahres rauskommt, anschauen?

A.: Natürlich. Während den Recherchen zu diesem Sujet stolperte ich über Infos zur 2015er Neuverfilmung. Mir gefällt die neue Heidi sehr gut - und speziell Bruno Ganz als Öhi. Sogar so gut, dass ich über Weihnachten mein eigenes Poster zum Film entwarf ... Übrigens, am Sennentuntschi-Poster/Cover wirkte ich auch mit.

F.: Was war für Sie die größte Herausforderung bei der Realisierung der Heidi-Figuren?

A.: Ich wusste, die Schellen-Ursli Illustrationen von Alois Carigiet würden gefallen. Heidi soll aber anders werden, comichaft, konturiert, nur mit RAL-Farben koloriert und digital in Vektoren umgesetzt. Also: das Unmögliche möglich machen. Jetzt freue ich mich darauf, das fertige Produkt endlich in den Händen zu halten und darin ein feines Fondue genießen zu können.

F.: Welches Fondue mögen Sie am liebsten? Käse-, Fleisch-, Schokoladenfondue oder ...?

A.: Käse

F.: Haben Sie ein Lieblingssujet, das Sie gerne einmal zeichnen möchten?

A.: Ein Sujet? Hunderte! Einen eigenen Comicband, eine Ausstellung, einen Kalender, Banknoten. Es gibt viele Ideen, die zu verwirklichen Zeit brauchen, welche mir meistens fehlt. Letztes Jahr gestaltete ich eine winzig kleine Briefmarke, letzten Monat malte ich ein 12 m hohes Logo an ein Gebäude, dann ein CD-Cover und jetzt zeichne ich ein Maskottchen in 100 verschiedenen Posen: groß und klein und animiert für's Web. Mir gefällt, dass ich mein Hobby zum Beruf machte und somit nie mehr arbeiten muss ;o)

Herr Kuhn, herzlichen Dank für dieses Gespräch.


Copyright: A. & J. Stöckli AG

 

Anmerkungen:

Die "Mutter" von Heidi
... ist die Schweizer Autorin Johanna Spyri (1827-1901). Die beiden Bücher "Heidis Lehr- und Wanderjahre" und "Heidi kann brauchen, was es gelernt hat" aus den Jahren 1880 und 1881 gehören zu den bekanntesten Kinderbüchern der Welt. Es wurde in 50 Sprachen übersetzt. Damit schuf Johanna Spyri ein noch heute weit verbreitetes romantisches und idealtypisches Bild der Schweiz.

Heidi "Filme"
Bereits 1952 wurde ein Schwarzweissfilm gedreht, der frei auf dem gleichnamigen Heidi-Roman von Johanna Spyri basiert. 1978 und 1993 dann die typischen HEIDI-Familienfilme. 2015 wird erneut ein kleines Mädchen die große Leinwand erobern: HEIDI. Es gibt eine Neuverfilmung mit Anuk Steffen und Bruno Ganz (Alpöhi) sowie Quirin Agrippi als Geissenpeter. Kinostart in Deutschland: 10. Dezember 2015.

2016 wird zum "Heidi-Jahr". Stöckli ließ sich von der Neuverfilmung und dem Kinderbuch inspirieren und beschloss, passend zur Szenerie des Films auf dem Fonduecaquelon und den Tellern, die Filmfiguren aufleben zu lassen. Die Lancierung erfolgt - gleichzeitig mit dem Kino-Start des Heidi-Films - im Herbst/Winter 2015.

 

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