Reise zum Bagnes Capitale de la Raclette - Tag 2

Pochtenfall von der Südseite
Pochtenfall von der Südseite

Der Morgennebel stand noch im Suldtal, dennoch kündigte sich ein wunderschöner Sonnentag an. Nach einem ausgiebigem Frühstück - der Gastwirt überzeugte mich mit den Worten: "Ovomaltine schmeckt vielleicht nicht besser als Kaffee, wirkt aber länger", doch noch einen Schluck von diesem typischen Schweizer Kakao zu nehmen.

Gegen 9.00 Uhr startete ich den zweiten Teil meiner Berner Oberland-Wanderung in Richtung Pochtenfall. Der Aufstieg auf der westlichen Seite des Wasserfalls war deutlich angenehmer zu gehen, als der Abstieg auf der östlichen Seite. So kam ich in den Genuss, den wirklich beeindruckenden Wasserfall auch von der anderen Seite zu sehen (es gibt hier auch einen Rundweg).

Blick vom Rengglipass zum Brienzersee 1879m
Blick vom Rengglipass zum Brienzersee 1879m

Ab Schlieri (1.425 m ü. M.) betrat ich dann wieder Neuland. In Mittelberg (1.575 m ü. M.) ging der Wanderweg in einen "Bergwanderweg" über, was dann auch wirklich wörtlich zu nehmen war. Der Anstieg Richtung Renggli-Pass wurde nun deutlich steiler. Dafür wurde ich ein ums andere Mal mit einer schönen Aussicht belohnt.

Wirklich traumhaft wurde es vor allem auf dem Renggli-Pass (1.879 m ü. M.). Hier öffnete sich der Blick nun erstmalig auch in Richtung Brienzer See und den umliegenden Bergen. Das in Verbindung mit dem Blick ins Suldtal war allein der Mühe Wert.

Aber es sollte noch weiter gehen. Immer noch sehr alpin stieg der Pfad nun weiter Richtung Morgenberghorn (2.248 m ü. M.) an. Zum ersten Mal war auch Handeinsatz und ein Schuss Mut notwendig. Trittsicherheit und alpine Bergerfahrung sind hier definitiv Voraussetzung.

Auf dem Morgenberghorn erwartet mich ein Gänsehaut-Panorama - wow! Der Blick nach Südosten über das Saxetener Tal, welches wie ein Amphitheater vor einem liegt, hinüber zu Eiger (3.970 m ü. M.), Mönch (4.107 m ü. M.) & Jungfrau (4.158 m ü. M.) ist phänomenal. Nach Südwesten blicke ich auf die gleichfalls schneebedeckte Blüemlisalp-Gruppe, bestehend aus Blüemlisalphorn im Westen (3.661 m ü. M.), der Wyssi Frau in der Mitte ("Weiße Frau", 3.659 m ü. M.) und dem Morgenhorn im Osten (3.623 m ü. M.). Im Norden liegen mir Thunersee und Brienzersee zu Füßen.

Blick auf Eiger Mönch Jungfrau übers Saxeten Tal vom Morgenberghorn aus
Blick auf Eiger Mönch Jungfrau übers Saxeten Tal vom Morgenberghorn aus
Steinmännchen mit Ausblick
Steinmännchen mit Ausblick

Nach einer einstündigen Genusspause mit ca. 15 Gleichgesinnten begebe ich mich hinab in Richtung Brunnihütte (1.644 m ü. M.). Auch im Abstieg ist Handeinsatz gefordert. Ein Hinweis sei erlaubt: ich würde diese Tour nur bei trockenen Bedingungen gehen. Gerade hier am Nordgrat hat es recht viel loses Gestein sowie eine Seil-gesicherte Kletterpassage.

An der Brunnihütte nehme ich eine kleine Erfrischung zu mir und wandere den sehr schönen Bergwald Richtung Baachli runter. Von Baachli aus habe ich den kürzesten Weg nach Leissigen genommen, der teils über asphaltierte Sträßchen, teils über schöne Waldpfade führte.

Von Leissigen habe ich die Bahn Richtung Spiez genommen, um den zweiten Teil meiner Reise anzutreten.

Von Spiez ging es dann durch den Lötschberg-Tunnel nach Visp ins Oberwallis, wo mich Pascal Burkard, Geschäftsführer der Firma TTM, bereits erwartete. Gemeinsam statteten wir Amédée Mathier, dem Geschäftsführer des Weingutes Albert Mathier & Söhne, einen Besuch ab. Er gab mir u.a. den Tipp, doch auch mal einen "Muscat" zum Raclette zu probieren. Bislang hatte ich immer den "Fendant" von Albert Mathier favorisiert und hatte damit auch bei unseren Gästen immer großen Erfolg.

Albert Mathier Amphoren
Albert Mathier Amphoren

Auf eine Besonderheit wies mich dann Pascal Burkard hin. Bei Albert Mathier reift ein Teil der Ernte in Tonamphoren (auch Kvevris genannt), statt im Keller in der Erde - er wird als Amphorenwein bezeichnet. Albert Mathier zählt damit zu einer Hand voll Weinproduzenten, die sich dieser ältesten Form der Weinherstellung verschrieben haben (siehe auch Link unten).

Von Salgesch geht es über die deutsch-französische Sprachgrenze in den Nachbarort Sierre zu TTM. Seit meinem letzten Besuch hat sich wieder eine Menge getan. Pascal Burkard führt mich durch den neuen Showroom, die Produktion inkl. neuer Stanz-Maschine und das neue Lager, wo bereits erste Vorräte für die anstehende Wintersaison lagern. Die beliebten Raclette-Öfen von TTM werden hier vor Ort konstruiert und gefertigt.

Nach einem kurzen Aufenthalt geht es weiter in Richtung Bagnes. Der Weg führt uns durch das von hohen Bergen gesäumte Tal der Rhône, die im Wallis entspringt. Kurz vor Martigny geht es in ein Seitental Richtung Großer St. Bernhard, wir befinden uns hier also im Drei-Länder-Eck Schweiz-Frankreich-Italien. Nach einigen Kilometern zweigen wir abermals ab in ein nun noch kleineres Seitental, ins Bagnes-Tal. Am frühen Abend erreichen wir Le Châble, den Ort des Geschehens.

Le Châble ist ein kleiner beschaulicher Ort unterhalb von Verbier. Der Blick schweift über weisse Bergriesen. Ich erfahre, dass das obere 'Val de Bagnes', eines der grössten Naturreservate der Schweiz ist. Eine wirklich gute Voraussetzung für hervorragenden Rohmilchkäse.

Bagnes Capitale de la Raclette
Bagnes Capitale de la Raclette

Im bunt geschmückten Dorfzentrum herrscht bereits Volksfeststimmung - Festzelte, Markt-Buden, Live-Musik und viele nette Menschen sorgen bereits für ein buntes Treiben. Was gleich auffällt: hier geht es um Raclette. Es werden hier gut 15 bis 20 verschiedene Raclettes angeboten. Und es geht ausschließlich um klassischen Raclette. Er wird hier also abgestrichen.

Neben Hunger stellt sich nun auch der Appetit ein! Wir probieren ein erstes Raclette, ein eher milder Rohmilch-Raclette, der uns für den Auftakt sehr gut mundet. Insgesamt kommen wir an diesem Abend auf fünf Raclettes und haben eine tolle Geschmacks-Vielfalt kennengelernt. Die Raclettes werden hier von allen Racleuren mit Kartoffel, kleinen Essig-Gurken und Silberzwiebeln gereicht. Und ein kleines Gläschen Fendant gehört auch dazu. Es bleibt somit eher ein leichtes Essen, was einem an diesem lauen Spätsommer-Abend nicht schwer im Magen liegt.

Klassisches Raclette
Klassisches Raclette

Aber wir genießen nicht nur, sondern wir schauen uns auch an, wie 'richtig' abgestrichen wird. Da es beim klassischen Raclette im Kern um den Käsegenuss geht, achten die Racleure penibel darauf, dass der Käse nicht 'cross' wird, weil sich somit die Struktur und vor allem der Geschmack des Käses verändern würde. Kurz nachdem der Käse Bläschen bildet, wird er abgestrichen. Der 'wirkliche' Geschmack des Käses bleibt somit erhalten.

Auch der Abstand zur Heizquelle spielt eine Rolle. Der Käse sollte nicht zu dicht an die Flamme bzw. den Heizstab gehalten werden, da er sonst zu früh 'cross' werden würde.

Die Käserinde, des natürlich gereiften und unbehandelten 'Raclette du Valais AOP' (hier im Wallis wird ausschließlich Rohmilch-Raclette produziert), wird hier mit verzehrt, er gibt dem Raclette meist noch zusätzliche Würze.

Die entspannte Genuss-Exkursion schließen wir dann noch mit einem klassischen Zitronen-Sorbet mit Schuss ab, welches ein Sättigungsgefühl vermeiden soll. Ich hatte mich aber auch davor nicht übersättigt gefühlt. Die Idee, unsere Freunde und Bekannte doch wieder mal mit einem Sommer-Raclette zu überraschen, ist geboren!

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Klaus Zweiacker

von Klaus Zweiacker

Geschäftsführer von RACLETTE.de. In der Schweiz aufgewachsen verschlug es ihn im Jugendalter ins Rheinland. Die Lust an Schweizer Käse und Raclette ist aber geblieben. Regelmäßige Schweiz-Reisen verbinden ihn noch heute mit seiner alten Heimat.

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